Hei!

Erasmus+ Mobilität in Finnland und Estland

In der ersten Dezemberwoche durften wir uns auf den Weg nach Finnland und Estland machen. Wir waren schon sehr gespannt, wie in diesen Ländern das Schulsystem aufgebaut ist, waren doch die nordischen Länder bei den Pisa-Testungen bisher immer an vorderster Stelle zu finden.

Aufbau von internationalen Schulpartnerschaften

In unserem Kurs fanden sich über 50 Teilnehmer*innen aus ganz Europa und sogar aus Australien, Amerika und Südafrika.

Am ersten Kurs-Tag lernten wir die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen. Es war sehr spannend, sich über die unterschiedlichen Schulsysteme auszutauschen.

Der zweite Tag startete mit einer Einführung in das finnische Schulsystem. Der überwiegende Teil der Schulen ist öffentlich geführt und kostenfrei zugänglich, es gibt nur wenige Privatschulen, die ebenfalls kostenlos sind. Nach einem verpflichtenden Vorschuljahr besuchen finnische Schülerinnen und Schüler 9 Jahre eine gemeinsame Schule. Jede Schule erweitert den nationalen Lehrplan durch einen zusätzlichen Lehrplan, der gemeinsam vom Lehrer*innen-Team am Standort erarbeitet wird. Insgesamt gibt es an den Schulstandorten große Autonomie in Bezug auf pädagogische Inhalte. Kollegialer Austausch, gemeinsame Vorbereitung bzw. Austausch von Unterrichtsvorbereitungen sowie Team-Teaching sind Alltag. Besonderes Augenmerk wird auf die Eigenverantwortung der Schüler*innen beim Lernen gelegt – sie sollen ihre jeweiligen Lernziele gemeinsam mit den Pädagog*innen erarbeiten. Alle Schüler*innen erhalten kostenlos eine warme Mahlzeit in der Schule, an manchen Standorten gibt es sogar ein Frühstück. Nach dieser neunjährigen Basisbildung besteht weiterhin eine mehrjährige Schulpflicht, wo sich die Jugendlichen je nach Begabung und Interesse für eine Berufsvorbereitung oder auf die Vorbereitung auf ein Universitätsstudium entscheiden.

Im Laufe der Woche durften wir zwei verschiedene Schulstandorte näher kennenlernen. Die Hämeenkylän-Schule besuchen Schülerinnen und Schüler im Alter von 7 – 15 Jahren. Der Schulleiter informierte uns vor Besichtigung des Schulgebäudes und der Unterrichtsräume über pädagogische Überlegungen des Teams – auch in Bezug auf den Schulumbau – und über schulische Schwerpunkte.

Die Kanniston-Schule besuchen aktuell Schülerinnen und Schüler im Alter von 7 – 12 Jahren. Da der Standort relativ neu ist, wird erst in den kommenden Jahren auf die 9. Schulstufe erweitert. Einige Schüler*innen führten uns durch das Schulhaus. Dabei durften wir u.a. die Krankenschwester, die jeden Tag in der Schule anwesend ist, kennenlernen. In der Schulküche trafen wir eine Klasse beim „Hauswirtschafts“- Unterricht, der bei finnischen Schüler*innen besonders beliebt ist.

Im Anschluss daran konnten wir eine Mathematikstunde der 3. Schulstufe beobachten. Den finnischen Lehrenden ist es wichtig, dass die Kinder immer wieder in Bewegung gebracht werden. So startete die Stunde mit einer theaterpädagogischen Methode.

Digitalisierung und bewusster Medienkonsum

In der 5. Stufe werden alle Schüler*innen mit Laptops oder Tablets ausgestattet, wiederum kostenfrei. Im Werkunterricht konnten wir beobachten, wie die Schülerinnen und Schüler ihre Werkstücke selbst planten und die Herstellung dokumentierten.

Auch in den von uns besuchten Schulen findet weitgehend Team-Teaching statt. Dabei treffen sich manchmal mehrere Klassen gemeinsam in einem großen Raum zur Einführung ins Unterrichtsthema. Dieser kann aber mit Trennwänden schnell in zwei Räume geteilt werden, damit besser differenziert werden kann. In allen Klassen finden sich Whiteboards und für uns ungewohnt: Die Lehrpersonen unterrichteten in einer Schule mit Mikrofonen.

Im Kurs wurden uns verschiedene Tools und Apps und deren Anwendung für unseren Unterricht vorgestellt.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Normalerweise gibt es Anfang Dezember in Helsinki bereits etwas Schnee und natürlich Minusgrade. Durch den Klimawandel hat sich aber auch dort die Situation geändert. Wir hatten die ganze Woche leichten Regen und für Finnland viel zu warme Temperaturen.

Deshalb spielt Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Finnland eine große Rolle. Wasser ist in Finnland von bester Qualität, weshalb wir gleich darauf hingewiesen wurden, keine PET-Flaschen mit Wasser kaufen zu müssen, sondern unsere Trinkflaschen mit Leitungswasser zu befüllen und so die Plastikflaschen zu vermeiden.

Im Heureka Science Center war Nachhaltigkeit ebenso ein großes Thema. Eine Upcycling-Maschine zeigte viele Möglichkeiten auf, wie verschiedenste Dinge mit neuem Leben gefüllt werden können.

Diversität als Chance

Der Besuch im Oodi Zentrum (öffentliche Bücherei), das auch das „Wohnzimmer“ genannt wird, zeigte uns, wie Menschen verschiedenen Alters mit unterschiedlichem Hintergrund einen gemeinsamen Ort haben, um in der Bibliothek zu schmökern oder kostenfrei Räume für unterschiedlichste Aktivitäten zu mieten: z.B. mit Freunden die Küche für einen Abend zu buchen, um gemeinsam zu kochen oder ein Studio, um Musik zu machen. Außerdem kann man einen Großformatdrucker und 3D Drucker nutzen und es finden Computerkurse für Kinder und Jugendliche und vieles mehr statt. Alle haben die Möglichkeit diese Ressourcen zu nützen.

Die Zertifikatsverleihung in Helsinki fand im Fazer Besucherzentrum statt, wo wir eine tolle Führung mit Verkostung erlebten.

Zum Abschluss der Woche machten wir uns auf den Weg nach Tallin in Estland. Dort besuchten wir die Universität und lernten das estländische Schulsystem kennen.